Hashtags auf Twitter: Meine 5 Dos und Don’ts

Bildschirmfoto 2013-10-20 um 18.39.05In der Twitter-Filterblase ist es selbstverständlich, doch außerhalb davon erscheint es vielen als  Rätsel, wie man Hashtags wann, warum und wofür verwendet. Für Hashtags gibt es keine Regeln und das ist gut so. Jeder kann sie kreieren und ab und zu wird auch darüber gestritten, wann sie wirklich sinnvoll sind.

Ich hab deshalb einmal meine 5 Dos und Don’ts zum Thema Hashtags auf Twitter aufgeschrieben. Widersprüche, Ergänzungen und Anmerkungen sind natürlich erwünscht.

1. Mach Tweets zu Themen sichtbar, über die viele Leute bei Twitter sprechen.

Das können Live-Ereignisse (#btw13, #sweger), Fernsehserien und Shows (#GNTM, #Tatort) oder Konferenzen (#rp13) sein. Setze deinen Tweet dann ab, wann auch viele Leute über das Thema sprechen.

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Anzahl der #Tatort-Tweets in September und Oktober. Quelle: Topsy

Beispiel: Während eines Tatorts am Sonntagsabend gibt es über 5000 Tweets mit dem Hashtag #Tatort. Unter der Woche  sind es lediglich zwischen 70 und 200 pro Tag (siehe Schaubild). Weil die Zuschauer Twitter während der Sendung als Second Screen nutzen, erhöht der Hashtag in dieser Zeit die Auffindbarkeit extrem, unter der Woche spricht dagegen kaum jemand über den Tatort, der Hashtag ist eher ein Stilmittel.

2. Wenn du einen Hashtag setzt, überlege dir vorher: Suchen Leute auch tatsächlich nach dem Wort auf Twitter?
Bei Live-Ereignissen setzt sich fast immer ein Hashtag durch. Beim Tatort noch andere Wörter zu verhashtaggen erhöht deshalb kaum die Sichtbarkeit des Tweets.

Ein Tweet sieht außerdem hässlich aus und ist schlecht lesbar, wenn er zu viele Hashtags enthält. Und: Niemand findet deinen Tweet während des Tatorts aufgrund von Hashtags wie #Messer, #Mord oder #Leiche. Oder hast du bei Twitter schonmal nach diesen Stichwörtern gesucht?

Dazu kommt: Die Suche bei Twitter funktioniert auch für normale Wörter. Wenn du ein Wort nicht verschlagwortest, kann es also trotzdem gefunden werden. Wenn du nicht weißt, welchen Hashtag du für eine Veranstaltung auf Twitter verwenden sollst, schaue dir vorher an, welche Tweets es bereits zu dem Thema gibt und welcher Hashtag dort am häufigsten verwendet wird. Richte dich nach der Community!

3. Verschwende mehr Gedanken an den Inhalt deines Tweets, als an mögliche Hashtags.
Denn Tweets verbreiten sich nicht, weil sie viele Hashtags haben, sondern weil gute Inhalte retweetet werden. Vermülle deinen Tweet nicht mit Hashtags!

4. Verwende intelligente Hashtags.
Du kannst Hashtags als Stilmittel einsetzen – am Ende des Tweets kann er der ganzen Nachricht etwa eine völlig neue Richtung geben. Ein solcher Hashtag kann ungewöhnlich sein, muss keine echte Relevanz auf die Sichtbarkeit des Tweets haben – hat aber häufig einen großen Effekt.

Tipp: Schau deine eigene Timeline bewusst nach Hashtags durch. Du wirst überrascht sein, wie häufig ein Hashtag als Stilmittel verwendet wird.

Memes (Definition) sind wunderbar, kreativ und manchmal auch etwas böse. Dabei wird sogar der ungewöhnliche Hashtag gefunden, wenn er von vielen verwendet wird. Der skurrile #einbuchstabendanebentiere-Hashtag hat sicher auch zur Verbreitung des Memes beigetragen.


5. Setze den Hashtag dort, wo er am besten passt.

Wenn das Wort #Tatort in deinem Tweet vorkommt, verhashtagge es dort. Wenn nicht, setze den Hashtag am Ende. Ich persönlich finde, dass Hashtags am Ende des Tweets viel schöner aussehen und die Lesbarkeit erhöhen.

Hashtags als Marketing-Instrument der Zukunft?

Für Twitter-Nutzer bündeln Hashtags schon jetzt Themen und machen den Dienst bei Live-Ereignissen systematisch durchsuchbar. Twitter ohne Hashtags? Unvorstellbar. Beim Tatort oder Wahlen ist das Einblenden von Hashtags auch im Fernsehen mittlerweile selbstverständlich.

Auch Fußballspiele sind Bestandteil der Themen, über die Leute auf Twitter sprechen. Der 1. FC Köln hat kürzlich ein T-Shirt mit dem Hashtag #effzeh in den Fanshop aufgenommen. An einem Spieltag laufen laut Topsy derzeit rund 2000 Tweets mit dem #effzeh-Hashtag auf Twitter, bei Bayern München oder Borussia Dortmund sind es noch viel mehr.

Verbreiteter sind Hashtags in den USA: Dort sind sie bereits fester Bestandteil öffentlicher Werbeflächen, etwa in Sportstadien. Auch im Stadtbild von New York sind Hashtags quasi an jeder Ecke zu sehen (siehe Blogpost: Wie Soziale Netzwerke das Stadtbild von New York prägen)

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Bandenwerbung bei den New York Yankees

Welches Potenzial haben Hashtags in Deutschland?

Der Kommunikationsberater Daniel Jörg glaubt, dass Hashtags mittelfristig die URL aus der Werbung verdrängen werden. In den USA werden demnach bereits mehr Spots mit einem Hashtag als mit einer URL während der Prime Time ausgestrahlt. Der Vorteil von Hashtags: Sie können netzwerkübergreifend eingesetzt werden und stehen für einen offenen Austausch auf Augenhöhe.

Bislang kann Deutschland hier aber noch nicht mithalten. Das liegt daran, dass Hashtags vorwiegend noch auf Twitter genutzt werden, die Twitter-Nutzerzahlen für Deutschland aber im Vergleich zu Facebook ziemlich gering sind. Die Folge: Allenfalls zaghaft ist der Hashtag bislang in Kampagnen oder in Werbung zu sehen.

Beispiel: In einem TV-Werbespot blendet der Energiekonzern RWE für seine Energiewenden-Kampagne den Hashtag #vorweggehen ein. Bei Twitter findet man unter #vorweggehen lediglich ein halbes Dutzend Tweets eines RWE-Accounts und ein paar Anti-Tweets zur Kampagne.

Womit wir bei einem weiteren großen Unterschied zwischen der Angabe von Hashtags und der URL wären. Denn Unternehmen geben mit dem Hashtag auch einen Teil ihrer Kontrolle über Inhalte ab: „So genanntes Hashtag-Hijacking kann dazu führen, dass Kundinnen und Kunden statt positiver Erfahrungen mit einer Marke negative kommunizieren“, schreibt Philippe Wampfler, Lehrer und Experte für Lernen mit Neuen Medien, auf seiner Seite Schule Social Media.

Wird der Hashtag künftig auch in Deutschland wichtiger?

Vermutlich ja. Der große Vorteil von Hashtags: Alle wichtigen Social-Plattformen unterstützen Hashtags: Facebook, Twitter, Google+, Pinterest, Tumblr, Vine, LinkedIn, Instagram – gerade bei Facebook aber noch nicht so, dass die Nutzer auch einen davon Mehrwert haben.

Stefanie Aßmann, Expertin für Digital Kommunikation, hat sich in einem Beitrag für Lead Digital unter anderem mit der Frage beschäftigt, warum Hashtags bei Facebook noch nicht richtig angekommen sind. Sie zitiert eine aytm-Studie, wonach nur 6 Prozent der Facebook Nutzer regelmäßig Hashtags einsetzen. Überraschend sei aber, dass 37 Prozent der Nutzer, die bei anderen sozialen Netzwerken angemeldet seien, dort nach Hashtags suchen und nicht bei Facebook.

Ein deutlicher Hinweis, dass die Hashtag-Funktion auf Facebook (über 25 Mio. Mitglieder in Deutschland) derzeit noch ziemlich unhandlich ist. Facebook arbeitet bereits an Verbesserungen, testet laut Wall Street Journal derzeit unter anderem Trending Topics, wie es sie auch bei Twitter gibt.

Gelingt es Facebook, den Nutzer den Mehrwert von Hashtags auf seinem Netzwerk zu vemitteln, dürften Hashtags auch in Deutschland künftig bedeutender werden.

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