Warum wir AfD-Wählern mehr als Häme und Empörung in sozialen Netzwerken bieten müssen

Bildschirmfoto 2016-03-14 um 09.06.04Ein Witz über die AfD geht immer. Die wird ja nur von Idioten gewählt. Gefühlt verhalten wir uns in sozialen Netzwerken wie die coolen Kids auf dem Schulhof: Wer nicht konform ist, mit dem reden wir erst gar nicht, den lachen wir aus.

Aber „nicht konform” sind jetzt 20 Prozent der Menschen eines ganzen Bundeslandes. So treiben wir nur noch mehr in die Arme der populistischen Parteien.

Ich habe das Gefühl: Anspruch der Debatte um die AfD ist in den vergangenen Monaten nicht mehr die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Partei. Viel mehr geht es darum, ein bestimmtes (Selbst-)Bild zu transportieren.

Leute versichern sich gegenseitig ihrer Abscheu und ihres Ekels, mit „denen da“ zu sprechen. Sie triumphieren, wenn sie einem „von denen“ mal wieder gezeigt haben, wie überlegen sie ihnen sind.

Das ist in meinen Augen der falsche Fokus. Es geht nicht um die meisten Likes, Shares oder Retweets für den besten Spruch, der den anderen maximal lächerlich machen mag. Es geht nicht darum, sich als Medienmarke dafür feiern zu lassen, wenn man es einem verwirrten Kommentator mal wieder so richtig gegeben hat.

Wer das tut, erreicht genau das Gegenteil: Er zementiert und vertieft Gräben in diesem Land.

Er bedient das diffuse Gefühl bei abgehängten Leuten, die irgendwie glauben, dass irgendwas schief läuft – es selbst aber gar nicht ausdrücken können und so in die Arme von Populisten mit leicht verdaulichen Wahrheiten laufen. AfD-Politiker sind sich dessen nur zu gut bewusst, zündeln gegen „die Politik” und „die Medien”. Sie wissen: Jede Spaltung spielt ihnen in die Karten.

Der Kollege Alexander Nieschwitz hat am Wahlabend mit diesem Tweet auf den Punkt gebracht, worauf es auch meiner Meinung nach ankommt:

Es geht darum, Leute zu hören und sie ernst zu nehmen und mit ihnen zu reden. Niemand kann es sich leisten, über 20 Prozent der Wähler in Sachsen-Anhalt als Spinner und Nazis abzutun. Es geht darum, diesen Leuten zu zeigen, dass wir etwas anzubieten haben, Alternativen für sie haben, sie mit Inhalten abzuholen. Und das muss mehr sein, als Häme in sozialen Netzwerken.

Vor allem Journalisten waren in den vergangenen Monaten genau darin ziemlich hilflos. Positive Beispiele, wie dieses hier vom MDR, gibt es kaum.

Stattdessen sind gute Satiresendungen der Maßstab für die Auseinandersetzung mit der AfD in sozialen Netzwerken.

Wir dürfen nicht selber zu Wutbürgern mit Tunnelblick werden, wenn wir Wutbürger entlarven wollen. Wer nicht will, dass Parteien wie die AfD mehr als 20 Prozent der Stimmen in einem Bundesland bekommen, der muss ein bisschen mehr dafür tun, als zu sagen: Ich bin gut, ihr seid doof. Keine Diskussion. Punkt.

Wir – wir Twitterer, Moderatoren, Social-Redakteure, Menschen mit Reichweite – sollten darüber nachdenken, was uns im sozialen Netzwerk eigentlich wichtig ist: eine richtige Debatte und Auseinandersetzung im Sinne der Demokratie, oder unser eigenes Standing in sozialen Netzwerken. Uns selbst gut dastehen zu lassen ist viel einfacher, als eine Debatte auszuhalten. Und genau nach diesem Prinzip funktionieren Parteien wie die AfD.

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