Zwei von zehn Freunden, drei von zehn Seiten. Was ich in einer Woche bei Facebook sehe

Die grünen Köpfe zeigen den Anteil der Freunde, die für mich in einer Woche bei Facebook sichtbar sind
Die schwarze Köpfe zeigen den Anteil der Freunde, die in einer Woche unsichtbar bleiben
Aus Nutzersicht hat Facebook im November ein praktisches Feature eingeführt: User bekommen eine Übersicht, welche Geschichten sie in der vergangenen Woche bei Facebook gesehen haben („Menü“ -> „Neuigkeiten-Einstellungen“).

Häufig hat man bei den angezeigten Geschichten und Postings ja so ein Bauchgefühl: Wieso sehe ich das denn jetzt schon wieder? Warum sehe ich von diesem Freund eigentlich gar nichts mehr? Dieses Gefühl genauer zu beschreiben, ist häufig aber gar nicht so einfach.

Den Nutzern das anzuzeigen, was sie wirklich interessiert – für Facebook gehört das zu den wichtigsten Herausforderungen. Das Instrument dafür: Der Newsfeed-Algorithmus, der von entsprechend vielen – meist geheimen – Faktoren beeinflusst wird.

In diesem Beitrag soll es um die Nutzerseite gehen. Ich habe mit der neue Wochen-Übersicht am Beispiel meines eigenen Accounts ausgewertet, was ich in einer Woche bei Facebook sehe. Vorab: Das ist keine wissenschaftliche Auswertung. Aufgrund diverse Faktoren kann es nur eine eine Stichprobe sein, die eine ungefähre Ahnung geben soll. Dazu unten mehr.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Facebook zeigt mir von wenigen Seiten viele Postings und von vielen Seiten keine Postings
  • Gemessen an der Zahl der Postings ist Facebook für mich mehr Nachrichtenkanal und weniger Freundesnetzwerk
  • Facebook vergisst meine Freunde trotzdem nicht

  • Von welchen Absendern zeigt Facebook mir Statusmeldungen?

    In der Masse ist der Newsfeed für mich ein Nachrichtenkanal: Zwei von drei Statusmeldungen kommen von Fanseiten. Weniger als jede dritte Meldung kommt von Freunden.

    Wie vielfältig sind die Inhalte, die Facebook mir zeigt?

    Facebook zeigt mir von vielen Freunden wenige Postings und von wenigen Seiten viele Postings. Die Vielfalt der angezeigten Freundespostings übertrifft aber die Anzahl der Seitenpostings. Das finde ich überraschend. Es zeigt auch, wie radikal der Algorithmus schlechte Inhalte von Seiten aussortiert und wie wenig ein Fan an sich wert ist, wenn er nie mit den Beiträgen einer Seite interagiert.

    Von welchen Seiten sehe ich wie viele Postings?

    Die Gewinner nehmen viel, in der Breite ist auch noch Platz für andere Seiten. Trotzdem: Die sechs Seiten, die mir am häufigsten angezeigt werden, machen rund 42 Prozent der Gesamtbeiträge aus.

    Für Publisher gilt: Wer es in die Top-Seiten seiner Fans schafft, taucht entsprechend häufig im Newsfeed auf (hier lest ihr mehr über das Wie).

    Von welchen Freunden sehe ich Postings?

    Ähnliches Bild: Von einigen Freunden sehe ich immer wieder Postings. Die acht Prozent der Freunde, von denen ich die meisten Postings sehe, machen rund 30 Prozent aller angezeigten Freundes-Postings aus. Bezogen auf alle Freunde heißt das: Sieben der 506 Freunde machen 30 Prozent aller Freundespostings aus, die ich sehe.

    Zwei Fragen bleiben offen: Welche der Seiten und Freunde war in der Woche überhaupt aktiv? Und wie viel Prozent meiner Freunde und Fanseiten ist überhaupt sichtbar? Die erste Frage lässt sich nicht beantworten. Facebook stellt hierzu keine Daten bereit und der manuelle Aufwand für eine solche Auswertung war für mich in diesem Fall zu hoch. Bei der zweite Frage ergibt sich dieses Bild:

    Von 70 Prozent meiner gelikten Seiten hab ich in der Testwoche keine Beiträge gesehen. 80 Prozent meiner Freunde waren unsichtbar. Von ihnen dürfte – wie erwähnt – aber auch ein beträchtlicher Teil in der Woche gar kein Posting abgesetzt haben. Bei Seiten wird dieser Anteil – vermutlich – etwas geringer sein.

    Was in dieser Auswertung nicht mit einbezogen ist: Die Sidebar rechts, die mir die neuesten Aktivitäten meiner Freunde anzeigt. Die Möglichkeit, sich neben den aus Facebook-Sicht relevantesten, auch die neuesten Geschichten im Newsfeed anzeigen zu lassen. Freunde, die ihre Beiträge möglicherweise gar nicht für mich freischalten. Die Möglichkeit, den Newsfeed manuell zu beeinflussen und Freunde oder Seiten hochzuranken oder zu verbergen.

    Natürlich geben diese Ergebnisse nur eine grobe Tendenz, denn es gibt unzählige Faktoren, die zu den gerade genannten ebenfalls mit reinspielen: Wie viele Freunde habe ich? Wie viele Seiten habe ich geliked? Wie viel Zeit verbringe ich pro Woche auf Facebook?

    Fazit
    Der Newsfeed ist meiner Meinung nach mittlerweile extrem ausgeklügelt. Besonders die absolute Anzahl der Freunde, die im Feed in einer Woche präsent sind, hat mich überrascht. Durch die manuellen Einstellungsmöglichkeiten kann man mittlerweile seinen Newsfeed noch zusätzlich verfeinern.

    Mehrere Fragen bleiben für mich offen:
    – Welche Art von Seiten werden mir bevorzugt angezeigt?
    – Wie alt sind die Postings, die mir angezeigt werden?
    – Welche Art von Inhalten werden mir angezeigt? Wie stark ist der Videoanteil gestiegen?
    – Wie wird mir Werbung im Newsfeed angezeigt?
    – Welche Unterschiede gibt es zwischen Mobil und Desktop?

    Angelehnt an eine Auswertung im Frühjahr 2014 habe ich zwischen Oktober und Dezember hierüber Daten aus meinem eigenen Newsfeed gesammelt. Die Ergebnisse fasse ich in den kommenden Tagen hier zusammen.

    Übrigens: Der Newsfeed bei Facebook wird vom Team um Greg Marra weiterentwickelt. Im weiteren Sinne bestimmt er, was die mehr als 1 Milliarde Nutzer bei Facebook sehen. In der New York Times ist im Oktober 2014 ein lesenswerter Beitrag über ihn erschienen: „How Facebook is changing the way its user consume journalism.“ Seine Facebook-Statusmeldungen könnt ihr hier abonnieren.

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